Frankfurter Buchmesse vom 14. bis 18. Oktober 2009

Frankfurter Buchmesse
Creative Content fürs PublikumCyber-Entertainment, Gruscheln, Cosplay, Comics – wie Leser Multimedialität auf der Buchmesse erleben können.
„Focus on Creative Content“ heißt der neue Programmschwerpunkt der Frankfurter Buchmesse (14.-18. Oktober 2009). Dabei geht es um den Austausch der kreativen Branchen Buch, Film und TV, Games, Musik, Bild und Design. Im Film & Media Forum etwa widmet sich das Fachprogramm der Frage, welche Möglichkeiten es für crossmediale Kooperationsgeschäfte zwischen den Branchen gibt, welche Chancen das Web 2.0 bei der Vermarktung von Inhalten bietet und welche Herausforderungen die Mediennutzung der jungen Generation mit sich bringt. Rund 200 Veranstaltungen insgesamt sind im Messe-Programm den der Buchbranche benachbarten Kreativwirtschaften Film, Games, Musik, Design und Fotografie gewidmet.

Für das Publikum, das am Buchmesse-Wochenende die Messehallen in Besitz nimmt, um neuen Lese- oder Hörstoff, neue Games oder Kinofilme zu entdecken, mögen diese wirtschaftlichen Aspekte eher nebensächlich sein. Doch dürfte es ebenso gespannt sein auf die ganze Vielfalt, die die neue Medienkonvergenz mit sich bringt, und die es an den Ständen der Aussteller, in den zahlreichen Foren, auf den Bühnen und in zwei Kinosälen zu erleben gibt.

Literaturverfilmungen, Games und Buch-Communities im Film & Media Forum
Im ehemaligen Forum Film & TV, das in diesem Jahr zum Film & Media Forum erweitert wurde, werden die Schnittstellen zwischen den Medien auch für den Privatbesucher besonders deutlich. Zu manchem Buch, das man gerade noch in Halle 3 in der Hand hielt, läuft hier in einem der beiden Kinosäle die passende Literaturverfilmung. Dieses Mal sind mit der Neuverfilmung von „Effi Briest“ von Theodor Fontane und der Schlöndorff-Verfilmung der „Blechtrommel“ von Günter Grass zwei große Literaturklassiker dabei. „Der Knochenmann“ nach der Romanvorlage des Autors Wolf Haas und der Kinderfilm „Lippels Traum“ nach Paul Maar bieten jedoch auch Adaptionen von Zeitgenössischem. Im Foyer des Forums treffen sich Autoren, Schauspieler und Regisseure auf der ARD-Fernsehbühne und sprechen über die Umsetzung der literarischen Vorlagen in bewegte Bilder. Für das Publikum unsichtbar, für zukünftige Literaturverfilmungen jedoch unerlässlich: der Rechtehandel im Film & Media Rights Center. Hier bieten Agenten und Verlage den Filmproduzenten ihre literarischen Stoffe an.

Zocken und Gruscheln auf der Messe
Während die Umsetzung literarischer Bestseller in Spiel- und Fernsehfilme seit Jahrzehnten selbstverständlich ist, sind Adaptionen in den Bereich der Gamesbranche erst seit den späten 90er Jahren populär. Ob „Harry Potter“, „Lillifee“, „Wilde Kerle“ oder „Wilde Hühner“ – vor allem auf dem Kinder- und Jugendbuchsektor findet sich kaum noch eine erfolgreiche Reihe, zu der nicht das passende PC- oder Konsolenspiel entstanden ist. Im Film & Media Forum sind darum dieses Jahr erstmalig für das Publikum frei zugängliche Spielkonsolen aufgebaut. Und wer mag, kann am Sonntag, 18. Oktober, den deutschen „Guitar Hero“-Nationalspieler Berny „Cypher“ Schäfer live on stage im Kino 1 des Forums erleben. Er zeigt, wie man durch Drücken der richtigen Knöpfe auf einem „Gitarren-Controller“ – der zwar aussieht wie eine Gitarre, tatsächlich jedoch nur eine Art Keyboard ist – die größten Hits der Rock- und Popgeschichte nachspielen kann.

Dass Leselust und die gleichzeitige Nutzung der Social-Media-Plattformen des Internets längst kein Widerspruch mehr sind, zeigt ein „Offlinetreffen“ der StudiVZ-Bücherfans am Samstag, 17. Oktober, im Rights Center des Film & Media Forum. Beim so genannten „Gruscheln“ treffen sich Mitglieder der größten Internet-Community für Buchliebhaber im deutschsprachigen Raum und tauschen sich live über ihre Lieblingslektüre aus.

Vom Lesestoff zum „Hörstoff“ – Hörbücher bleiben Publikumslieblinge
Buch, Film, Fernsehen, Game – wem das an Medienvielfalt noch nicht reicht, dem seien noch die Gemeinschaftspräsentation der Hörbuchverlage mit der neuen Hörbuchhandlung in Halle 4.1 B141, das Areal von Books & Bytes (Halle 3.0 B100) mit seinen Ausstellern rund um das Thema „Buch und Internet“ und das Comic-Zentrum in Halle 3.0 F174 empfohlen.

Nachdem Hörbücher inzwischen einen Umsatzanteil von knapp fünf Prozent (mit einer Steigerung von über 40 Prozent seit 2003) am Gesamtumsatz des Buchhandels haben, sind sie aus den Sortimenten und folglich auch aus den Regalen vieler Buchliebhaber nicht mehr wegzudenken. Innerhalb der wachsenden Medienkonvergenz ist dieser seit den 90er Jahren ansteigende Boom nur eine allzu logische Entwicklung, denn neben der Verfilmung von literarischen Stoffen liegt nichts näher als ihre Vertonung. Und der Leser, dem durch tragbare Datenträger wie CDs, MP3-Player, iPod und Smartphones der Transport vom heiß geliebten aber dicken Wälzer erleichtert wurde, hat dieses Angebot gerne angenommen.

Romane und Comics als E-Books
Im Gegensatz zum überwältigenden Erfolg von Hörbüchern, hat sich die Lektüre – zumindest belletristischer Texte – auf dem E-Reader noch nicht wirklich durchgesetzt. Dennoch üben die kleinen flachen Bildschirme, die in jede Jackentasche passen und trotzdem unendliche Mengen von Texten speichern können, eine Faszination aus. Am Gemeinschaftsstand Books & Bytes wird deutlich, wie der Roman vom Buch aufs Handy, den E-Reader oder den PC kommt. Gleich zu Beginn der Messe, am Mittwochmorgen, 14. Oktober, um 10.00 Uhr, wird hier vom Online-Magazin NewBook.de und der Frankfurter Buchmesse der Preis für das innovativste Online-Buch-Projekt des Jahres vergeben. Am Samstag, 17. Oktober, um 11.00 Uhr, stellt der bekannteste deutsche Fantasyautor Wolfgang Hohlbein am Stand der Blackbetty Mobilemedia GmbH (Halle 3.0 C100) seine eigens für das Handy geschaffene Novelle „WYRM“ dem Publikum vor.

Im Comic-Zentrum in Halle 3.0 kann man darüber staunen, dass es nicht nur Texte, sondern inzwischen auch Bilder und Sprechblasen in Form von E-Comics auf den tragbaren Bildschirm geschafft haben. Der Comic-Verlag Tokyopop zeigt hier, wie man Folgen seiner Manga-Reihen „Gothic Sports“, „Grimms Manga“ und „Stupid Story“ aufs Handy laden kann. (Mehr zum Thema E-Comics finden Sie unter www.buchmesse.de/pressemitteilung-e-comic)

Vermarktung und Selbstvermarktung im Netz
Noch dürfte es zwar schwer fallen, einen Stoff zu finden, mit dem tatsächlich alle Komponenten der Verwertungskette ausgeschöpft wurden. Viele Verlage sind aber bereits auf dem besten Weg dorthin. Vor allem die großen Krimibestseller der letzten Jahre von Dan Brown, Ian Rankin, Håkan Nesser oder Henning Mankell präsentieren sich dem Publikum fast alle mit Buch, Kino- oder Fernsehfilm, Hörbuch, E-Book und zum Teil höchst aufwändigen Webseiten. Das Ruder haben oftmals die Autoren selbst in der Hand: Der Web 2.0-affine Autor von heute twittert und bloggt (Wladimir Kaminer unter http://beta.russendisko.de/de/weblog/, der amerikanische Schriftsteller T.C. Boyle unter www.tcboyle.com/page2.html?1 und die Kinder- und Jugendbuchautorin Isabel Abedi unter www.isabel-abedi.de/tagebuch.php), hat seinen Eintrag bei Facebook (www.facebook.com/daniel.glattauer) oder verschickt einen regelmäßigen elektronischen Newsletter.

Verwertungskette: „Zuerst war das Buch“ ist kein Gesetz
Die Verwertungskette, die bisher am geläufigsten ist, hat ihren Ursprung in der literarischen Buchvorlage. An Beispielen wie Wolfgang Hohlbeins Handynovelle „WYRM“ und seiner explizit für das Hörbuch geschriebenen Mysterie-Reihe „Dark Soul“, aus der er am Messe-Sonntag um 10.30 Uhr eine Kostprobe im FOCUS Forum Hörbuch (Halle 4.1 B139) gibt, wird jedoch klar, dass der Startschuss auch von einem anderen Medium kommen kann. Selbst die Gamesbranche kann dabei die Initialzündung liefern, wie die Adaptionen des Konsolen-Spiels „Zelda“ zeigen: Hier sind auf Basis des erfolgreichen Spiels Manga-Hefte, eine TV-Serie und umfängliche Fan-Pages und Foren im Internet entstanden. Während der dritten Deutschen Cosplaymeisterschaft, deren Finale am Sonntag, 18. Oktober, um 14.30 Uhr im Congress Center stattfindet, kann man den Figuren aus „Zelda“ sogar life begegnen! Die kostümierten Jugendlichen, die sich kleiden und bewegen wie ihre Comic- und Mangahelden machen mehr als deutlich, wie sehr Wirklichkeit und Fantasie ineinander übergehen.

Und wer aufmerksam über die Messe geht, wird feststellen, dass die unterschiedlichen Medien längst nicht mehr nur nebeneinander existieren, sondern sich ergänzen, unterstützen und an manchen Stellen bereits miteinander verschmolzen sind.

Frankfurter Buchmesse
Einen Gesamtüberblick über alle Veranstaltungen zur Frankfurter Buchmesse liefert der Veranstaltungskalender, online unter www.buchmesse.de/veranstaltungskalender/

Über das Unternehmen
Die Frankfurter Buchmesse ist mit mehr als 7.000 Ausstellern aus über 100 Ländern die größte Buchmesse der Welt. Mit www.buchmesse.de unterhält sie das weltweit meist genutzte Portal für die Verlagsbranche. Sie organisiert darüber hinaus die Beteiligung deutscher Verlage an mehr als 25 internationalen Buchmessen. Die Cape Town Book Fair in Südafrika sowie die Abu Dhabi International Book Fair sind Partnermessen. Die Frankfurter Buchmesse ist ein Tochterunternehmen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

bisher 1 Kommentar 11. Oktober 2009


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